Ausstattung verzinslicher Wertpapiere
Die Emissionsbedingungen (=Anleihebedingungen) führen die
Ausstattungsmerkmale von Anleihen auf. Sie enthalten mindestens folgende
Merkmale:
- Ausgabejahr
- Laufzeit
- Währung
- Verzinsung
- Tilgung
- Rang (bei Insolvenz/Liquidation des Emittenten)
Laufzeit
Die Laufzeit ist die Zeit zwischen dem Verzinsungsbeginn (in den
Anleihebedingungen festgelegt) und der Fälligkeit der Anleihe. Man
unterscheidet kurzfristige (bis 4 Jahre), mittelfristige (zwischen 4 und 8
Jahren) und langfristige (mehr als 8 Jahre) Anleihen.
Währung
Normalerweise kann ein Anleger wählen, ob er eine Anleihe in Euro
bevorzugt oder in einer ausländischen Währung (Fremdwährungsanleihe). Eine
Besonderheit sind Doppelwährungsanleihen, bei denen Kapital und Zinsen in
unterschiedlichen Währungen festgelegt sind.
Verzinsung
Die Verzinsung einer Anleihe kann fest sein oder variabel. Auch Anleihen
mit einer Mischung aus festem und variablem Zins sind möglich.
Festzins-Anleihen werden auch als Straight Bonds genannt. Sie haben eine
gleich bleibende Verzinsung über die gesamte Laufzeit. Variabel verzinste
Anleihen heißen Floater (genau genommen Floating Rate Notes). Hier gibt der
Schuldner nach jeder Zinszahlung die Verzinsung des nächsten Zinszeitraums
bekannt. Meistens orientiert sich die Verzinsung am LIBOR (London Inter Bank
Offered Rate) oder anderen Zinssätzen, die für Geldmarktanlagen zwischen
Banken gelten, bringt aber einen Spread zur Anwendung (ein Aufschlag oder
Abschlag zwischen Anleiheverzinsung und Nominalverzinsung).
Die Kreativität von Emittenten ist unbegrenzt. Manche Anleihen haben eine
Mindestverzinsung (=Floors), andere wieder eine Maximalverzinsung (=Caps).
Man spricht auch von Floor-Floatern und Cap-Floatern. Und selbst eine
Kombination beider ist denkbar: Mini-Max-Floater - auch Collared Floater
genannt - kombinieren beides. Reverse Floater lassen den Zinsertrag des
Anlegers steigen, wenn der Referenzzinssatz sinkt. Sie heißen auch
Inverse-Floater oder Bull-Floater.
Anleihen, die augenscheinlich nicht verzinst werden, heißen
Nullkupon-Anleihen oder Zero-Bonds. Die Zinszahlung ergibt sich hier als
Differenz zwischen Rückzahlungskurs und Kaufpreis.
Bei Kombizins-Anleihen werden die ersten Jahre meist kuponlos ausgesaltet,
die restlichen dafür aber mit umso höheren Kupons. Step-up-Anleihen bieten
anfangs vergleichsweise niedrige Kupons, mit zunehmender verstrichener
Laufzeit aber immer höhere.
Schließlich gibt es noch Zinsphasen-Anleihen. Sie haben typischerweise
eine Laufzeit von 10 Jahren. Zu Beginn und zum Ende der Laufzeit werden
Kupons mit festen Zinsen eingelöst, dazwischen ist der Zinssatz variabel und
orientiert sich an den Geldmarktbedingungen.
Tilgung (=Rückzahlung)
Eine Anleihe kann außerplanmäßig und planmäßig getilgt werden. Die
planmäßige Tilgung ist eine Rückzahlung in einem festen Rahmen.
Annuitäten-Anleihen werden z.B. nach einem in der Regel tilgungsfreien
Zeitraum von 3 bis 5 Jahren in gleich bleibenden Jahresraten getilgt.
Gesamtfällige Anleihen werden zum Ende der Laufzeit getilgt. Bei
Auslosungsanleihen ermittelt der Schuldner über ein Losverfahren die
Wertpapiere, die zum nächstfälligen Zahlungstermin zurückgezahlt werden.
Bei einer vorzeitigen Kündigung der Anleihe durch den Emittenten (in
manchen Fällen ist es auch durch den Käufer möglich), spricht man von
außerplanmäßiger Rückzahlung.
Rang
Wenn eine Anleihe vorrangig ist, werden im Falle der Insolvenz oder
Liquidation des Emittenten die Käufer vorrangig sonstiger Gläubiger bedient.
Nachrangige Anleihen sind für den Käufer ungünstig, da im Insolvenzfall erst
sonstige Gläubiger bedient werden und danach die Anleihen-Gläubiger. Auch
gleichrangige Anleihen sind möglich. |